Impf-Blog

21.05.: Bestellung ist raus für die KW 23 (bestellt werden durfte nur der Impfstoff von Biontech). Die Apotheke berichtet, dass sie andere Großhändler als für die Lieferung an Hausärzte kontaktieren muss. Daher ist unklar, wann der Impfstoff jeweils geliefert wird, evtl. erst dienstags der jeweiligen Woche.

25.05.: Kleinmaterial überprüft und bestellt, extra Personal für Juni und Juli eingestellt. Unmengen an Fragen beantwortet. Und nein: wir haben keine Ahnung, ob wir allen bestellten Impfstoff bekommen, die Hälfte oder gar nur ein Zehntel!

26.05.: Biontech wird in der KW 23 und 24 weniger liefern als ursprünglich geplant, dafür in KW 25 und 26 mehr. Das wird sich vor allem bei den betriebsärztlichen Impfaktionen bemerkbar machen.

27.05.: Wichtige Aspekte sind immer noch ungeklärt (Meldung ans RKI, Akzeptanz bei der KVSH, geänderte Handhabung durch neue Impfvials, Impfung von Angehörigen etc.) und dem allen liegt zugrunde, dass die Coronaimpfverordnung geändert werden muss, bevor Betriebärzte überhaupt (ohne Sonderlandesgenehmigung) impfen dürfen. Erst am 7.6. soll diese neue Verordnung kommen – und wird dann erst unseren Spielraum festlegen.

28.05.: Erste Rückmeldung der Bestellungen: Es seien so wörtlich „wesentlich mehr“ Bestellungen eingegangen als das Gesamtkontingent für Betriebsärzte in Deutschland erfasst. Ach! Auch der für betriebliche Impfungen besser geeignete Impfstoff Curevac kommt nicht früher.

28.5. (später): Die erste Liefermenge steht fest und ist noch ernüchternder als erwartet. Statt Bestellmenge 804 sollen 102 Dosen kommen. Ich kann also nur mit angezogener Handbremse starten. Eine andere Information am Rande: Die mobilen Impfteams, die u.a. in Altenpflegeheimen geimpft haben, werden in Schleswig-Holstein heute beendet.

31.05.: Die Bestellungen für die KW 24 können vorbereitet werden. Wie erwartet gibt es voraussichtlich eine ähnlich kleine Menge an Biontech-Impfstoff. Unabhängig davon ist die Sonderlieferung vom Nachbarland Dänemark, die Astrazeneca vergeben, bevor es verfällt. Auf meine Planungen wird das keinen Einfluss haben, aber mobile Impfteams sollen zum 10.6. reaktiviert werden und soziale Brennpunkte anfahren.

01.06.: Bestellung für KW 24 bei der Apotheke eingereicht. Mal sehen, wieviel diesmal zugeteilt wird. Neue Personalprobleme: zwei sind mir kurzfristig abgesprungen. Ich habe jetzt alle Kontakte mobilisiert. Die Corona-Impfverordnung gibt es immerhin als Referentenentwurf. Ohne die darf ich nicht impfen.

02.06.: Gestern abend Online-Webinar mit Biontech überraschend langweilig, – oder habe ich die vielen vielen vielen Details, die bei diesem Impfstoff zu beachten sind, einfach schon zu oft gehört? Wie Betriebsärzte tagesaktuell ans RKI melden sollen, soll angeblich noch Wochen dauern. Hinter den Kulissen gibt es offenbar einige Streitpunkte. So sind Kassenärzte von einem Großteil der Meldedetails befreit, für Betriebsärzte soll dies aber nicht gelten. Und das macht eine technische Anbindung natürlich schwieriger.

02.06. (später): Die nächste Woche ist organisiert, was für ein Aufwand! An drei Tagen habe ich in drei verschiedenen Betrieben je eine Impfstraße, an anderen Tagen kommen aus sechs verschiedenen Firmen jeweils 1 – 6 Personen in die Praxis. So erhalten viele eine Option.

03.06.: Die Corona-Impfverordnung ist verabschiedet worden und tritt am Montag in Kraft. Seit einem Monat läuft meine Anmeldung für das Digitale Impfmonitoring des RKI, aber die Vergabe des Einwahlzertifikats soll noch dauern, was ein echtes Problem ist, da ich eigentlich darüber täglich die Impfungen anonym melden muss.

05.06.: Das Impfstoff-Budget für Betriebsärzte für die KW 24 wurde mitgeteilt und ist um ca. 100.000 Impfstoffdosen kleiner als in der Vorwoche. Das war erwartet worden, da Biontech in der Woche produktionsbedingt weniger liefert. Dafür soll es ab dem 21.6. deutlich steigen.

08.06.: Gestern morgen endlich Info, wie die Statistik geführt werden soll. Eine Hochladung an das RKI erfolgt für Betriebsärzte aber mit Verzögerung. Gestern abend kam der erste Impfstoff, ein Fläschchen wurde gleich verimpft. Die Arbeitsschritte sind aufwändig, das mitgelieferte Material verlangt unterschiedliche Techniken. Heute Impfung mit drei Fläschchen in einem Betrieb Prio 2+3. Das Verfahren wird flüssiger. Der gesamte Aufwand ist aber gigantisch. Ich sitze abends noch und fülle die Statistik aus.

09.06.: Betriebsärzte sind in der Statistik des RKI (Impfdashboard) überhaupt noch nicht erfasst. Probleme rund um das Impfen nehmen für mich unerträglich zu.

10.06.: Ich bezweifle, dass es gelingen wird, die Betriebsärzte bis Juli so an die Telematik-Infrastruktur anzuschließen, dass eine Ausstellung des Impfzertifikates überhaupt möglich ist.

11.06.: Noch ein Impftag am morgigen Samstag, dann ist die erste Woche geschafft. Die Impfungen selber laufen gut, aber das Vor- und Nachbereiten, die vielen kleinen und großen Schwierigkeiten, die bei Materialverfügbarkeit anfangen und bei Dokumentation noch lange nicht aufhören, sind aufreibend.

12.06.: Die Woche hat gezeigt wie viel Arbeit Impfaktionen in Betrieben mit sich bringt: Ich starte um 6 Uhr, packe und transportiere den kostbaren und empfindlichen Impfstoff, ab 8 Uhr startet der Aufbau im Betrieb mit Lagebesprechung, Einweisung und Anmischung des Impstoffes, bis es dann um 9.30 endlich losgehen kann. Und nach dem Ende dokumentiere ich noch ein bis zwei Stunden am Computer. 

14.06.: Bei der Impfstofflieferung soll das Verbrauchsmaterial mitbestellt werden, da es je nach Impfstoff unterschiedlich ist. Das klappt nicht immer gleich gut. Sowohl in der letzten wie in dieser Woche habe ich verschiedene Systeme mitgeliefert bekommen.

17.06.: Noch zwei gut gefüllte Impftage stehen in dieser Woche an und dicht gepackte Wochen bis Ende Juli. Dass Curevac nun doch nicht kommt, ist ein herber Schlag. So bleibt es bei dem schwierigen handling von Biontech. Immerhin: es sind mittlerweile spürbar viele geimpft.